capitaler bummel

Beijing ist jetzt nicht unbedingt der Hotspot, den ich mir dringend anschauen müsste. Meine letztjährige Befürchtung, dass sich die Welt hier dramatisch auf den vom Westen vorgezeichneten Weg begibt, hat sich in weiten Teilen bestätigt. Die Hinterlassenschaften der Historie werden gepflegt, zumindest dort, wo man damit rechnen kann, dass zahlende Schaulustige vom anderen Ende der Weltenmurmel auftauchen. Gleichzeitig aber entstehen Örtlichkeiten, die mich stark an Disneyland erinnern würden, wenn ich denn schon mal da gewesen wäre: Historisierend, kulissenhaft, geleckt wirbt man um die pekuniär gut ausgestatteten konsumwilligen Bevölkerungsschichten. Auf der anderen Seite fallen Besucher der Landeshauptstadt auf, die sich nicht von einheimischen Physiognomien unterscheiden, aber trotzdem knipsen, was das opto-elektronische Material hergibt. Und da ist kein Motiv unwillkommen: Denkmäler von heroischen Arbeitern und Bauern, stürmende Revolutionäre, weite Plätze, auf denen auch schon mal Demonstranten zu Schaden gekommen sein können, heute aber lustig Fontänen sprudeln und Uniformierte unter den wachsamen Augen des Großen Vorsitzenden graue Elektroschaltkästen bewachen. Die dereinst obligatorische Maojacke ist westlich anmutenden Bekleidungsstücke gewichen. Historische Gewänder scheinen inzwischen eher passendes Kostüm für Langnasen zu sein.