allgemein

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tai zi po

Wo kann man so etwas schon erleben: 20 Stunden mit der Eisenbahn? Gut, auch der Bundesbahn ist das zuzutrauen, bleibt bei europäischen Verhältnissen doch wohl eher die Ausnahme. Aber hier fährt man in offenen Abteilen, immer drei Schläfer übereinander, lange Zeit durch die Gegend, die nicht wirklich aufregend ist. Abwechslung bringt da das Servicepersonal, das mal mit kulinarischen Angeboten aus der Bordkantine wie Reisschleimsuppe oder Geflügelfüßen oder 1000jährigen Eiern vorbeikommt, mal mit hochphonigem Spielzeug oder der Offerte, doch einen mobilen DVD-Player für die Kleinkinoveranstaltung zu mieten. Ist jedenfalls immer Leben in der Bude bis um 22 Uhr Ortszeit, wenn schlagartig das Licht erlischt und so dem munteren Treiben ein urplötzliches Ende bereitet wird. Nachtruhe auf Befehl. Bei Sonnenaufgang dann hastige Betriebsamkeit beim Sturm auf die zwei Waschbecken je Wagon und die Heißwasserquelle zur Bereitung des Morgentees. Nach Ankunft am Zielbahnhof spute man sich beim Aussteigen, der Zug fährt zwar nicht nach Fahrplan, aber die kurzen Aufenthaltszeiten werden unerbittlich eingehalten. Auf der Strecke kann man die gewonnene Zeit dann wieder vertrödeln. Jedenfalls ist es ein Erlebnis, vor der Fahrt auf den Wudang Shan noch rasch eine Mahlzeit mit frisch vor den Augen der Hungrigen hergestellten Nudeln zu verputzen. So gestärkt geht es dann nach oben auf den heiligen Berg.

Das Leben in China ist sehr bewegend. Egal ob beim Tanzen, beim Taiji Quan, beim Karaoke-Singen oder Chorgesang, am Baum hängend oder Karten spielend, hier ist immer Bewegung angesagt. Und es scheint zu wirken: Die Gelenkigkeit, die manche der älteren Herrschaften präsentieren, lässt wahrscheinlich schon jeden Grundschüler erblassen. Das letzte Mal, dass unsereins über solche körperlichen Fähigkeiten verfügte, dürfte die Zeit im Mutterleib gewesen sein. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper scheint jedenfalls Gefallen zu finden. Da wird gejuchzt, geklatscht, gelacht, mit der Peitsche geknallt oder stillschweigend rückwärts gelaufen. Und der ganze große Park ist voll. Unter anderem auch mit Kampfkunstmeistern (m/w), die ganz unprätentiös mit der Zigarette im Mund ein paar Privatstunden geben. Sieht erst mal komisch aus, ist aber gut. Was die Leute drauf haben, ringt Hochachtung ab. Man sollte da öfter mal hin fahren.

Das Wetter zeigt sich von seiner unfreundlichen Seite mit Regen, Nebel und Smog. Aber zum Glück gibt es einen Ort, an dem man nichts davon spürt – im Waffenladen. Hier fühlt ein Mann sich noch als Mann und bekommt alles, was das Herz begehrt: Doppelschwert, Kometenhammer, Schnurpfeil, Mondsichelmesser, was will man mehr. Anschließend noch eine kleine Stärkung mit einem typisch chinesischen Gericht, Baozi, Teigtäschchen, mit den unterschiedlichsten Dingen gefüllt. In Deutschland würde dieses kleine Versteck wahrscheinlich als Maultasche durchgehen. Lecker. Die Welt ist in Ordnung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Baozi

capitaler bummel

Beijing ist jetzt nicht unbedingt der Hotspot, den ich mir dringend anschauen müsste. Meine letztjährige Befürchtung, dass sich die Welt hier dramatisch auf den vom Westen vorgezeichneten Weg begibt, hat sich in weiten Teilen bestätigt. Die Hinterlassenschaften der Historie werden gepflegt, zumindest dort, wo man damit rechnen kann, dass zahlende Schaulustige vom anderen Ende der Weltenmurmel auftauchen. Gleichzeitig aber entstehen Örtlichkeiten, die mich stark an Disneyland erinnern würden, wenn ich denn schon mal da gewesen wäre: Historisierend, kulissenhaft, geleckt wirbt man um die pekuniär gut ausgestatteten konsumwilligen Bevölkerungsschichten. Auf der anderen Seite fallen Besucher der Landeshauptstadt auf, die sich nicht von einheimischen Physiognomien unterscheiden, aber trotzdem knipsen, was das opto-elektronische Material hergibt. Und da ist kein Motiv unwillkommen: Denkmäler von heroischen Arbeitern und Bauern, stürmende Revolutionäre, weite Plätze, auf denen auch schon mal Demonstranten zu Schaden gekommen sein können, heute aber lustig Fontänen sprudeln und Uniformierte unter den wachsamen Augen des Großen Vorsitzenden graue Elektroschaltkästen bewachen. Die dereinst obligatorische Maojacke ist westlich anmutenden Bekleidungsstücke gewichen. Historische Gewänder scheinen inzwischen eher passendes Kostüm für Langnasen zu sein.

überflieger

Wir fliegen ins Reich der Mitte, um unsere Kenntnisse im Taiji aufzupolieren und neue hinzuzugewinnen. Los geht es in der Hauptstadt Deutschlands, von wo uns der Flieger in die Hauptstadt Chinas bringen soll, sozusagen eine Capital-to-Capital-Direct-Line. Unser Lehrer Ismet zeigt uns vorher noch Zeugnisse der abendländischen Kultur, das Bordpersonal die Handhabung der Schwimmwesten, obwohl auf unserem Weg keine größeren Gewässer zu finden sein werden. Schneebedeckte Berge wird es hingegen jede Menge geben, allerdings fehlt im Falle eines ungewollten Abstiegs dann der Grundkurs im Abfahrtslauf nebst alpintauglichem Material. Dafür gibt es eine kurze Einweisung in die zu erwartenden Gepflogenheiten der Zollformalitäten im Gastland.

Unsere liebe gute Espressomaschine, die nach den Angaben vieler anderer Nutzer des gleichen Produktes schon längst das Zeitliche hätte gesegnet haben müssen, machte Ärger: Sie funktionierte einfach nicht mehr bestimmungsgemäß. Mit allem anderen hätte ich ja leben können, aber dass der Kaffee dünn wurde, war einfach nicht akzeptabel. Doch wozu hat man das Internet? Also große Fragerunde gestartet. Doch hier versagte das geballte Wissen der Menschheit, außer Adressen zum Fachhandel und zu einschlägigen Reparaturbetrieben kam nichts Sinnvolles heraus. Nun wollte ich als mit den Segnungen des allgemeinbildenden polytechnischen Unterrichts ausgestatteter Absolvent des DDR-Schulwesens natürlich nicht aufstecken. Spezialwerkzeug gekauft und ab ging der Braune. Also jetzt geht er wieder, einfach lecker Kaffee.

Die Spiegel-Artikel der letzten Tage im weltweiten Netz über die Verklärungen der ostdeutschen Befindlichkeit in den Jahren von 1949 bis zur Abwicklung der kleineren der beiden germanischen Republiken führten dann dazu, dass ich mir ein Heft, das ich 1984 sowohl fotografiert als auch, durch ein paar Tage der Krankheit ans Heim gefesselt, dann noch zu Papier gebracht habe, noch einmal vornahm. Wie war sie also, die DDR? Was sich aus den Bildern vom Pferdemarkt in Havelberg, der immer noch jährlich Anfang September stattfindet, ablesen lässt, ist wohl, dass es einen regen Tauschhandel gab, dass sich die Bürger was einfallen ließen, wie sie den Mangel ausgleichen konnten, und dass Kämme in der rückwärtigen Tasche der Jeans groß in Mode waren.

Hier gibt es das ganze Heft als Download (4,1 MB). Und hier mehr Hinweise zum Markt.

Als ich vor ein paar Jahren in meine Kaufüberlegungen für ein neues Automobil auch die Marke MINI einbezog und ich mir zum Zwecke der Entscheidungsfindung eine Probefahrt mit einem solchen Gefährt gönnte, führte mich dieser Ausflug in den Klosterpark Altzella in der Nähe von Nossen. Damals ein beschauliches Plätzchen mit nicht nennenswertem Besucheransturm, eben ein typisches Klosteridyll, verwandelte sich selbiges letztens in ein quirliges Lustlager mit dramatisch illuminierter Flora. 1200 Schaulustige schickerten durchs Gelände, begleitet durch neckische Elfen und kecke Trolle. Alles sehr bodenständig und unterhaltsam. Damit auch derjenige, der diesen Abend versäumt hat, einen Eindruck von der Stimmung bekommt, hefte ich eine kleine Galerie meiner ganz persönlichen Sicht an.

 

 

playboy bildet

opelwerbung_0.jpgopel_brb.jpgAufräumen bringt dem Aufräumenden manchmal Überraschendes vor die für jede Ablenkung dankbaren Augen. Ich fand heute einen "Playboy" wieder, den ich mir im Juli 1991 zugelegt habe. Der Erhaltungszustand des Blattes lässt mich daran zweifeln, ob ich dieses jemals in gebührendem Maße in Augenschein genommen habe. Es kann natürlich auch sein, dass ich diesen Werken damals noch einen solchen Wert beimaß, dass ich sie behandelte wie die Preziosen im Grünen Gewölbe. Sehr interessant war dann aber ein Blick hinter die leicht bekleidete Dame auf dem Titelblatt. Da bewarb ein Automobilhersteller mit dem Blitz im Abzeichen sich bei der werten Kundschaft mit einer sehr interessanten Aussage. Leider würde es wohl die Augen des Betrachters hier im Browser überstrapazieren, wenn er die verbalen Ergüsse zu lesen versuchte, weshalb ich diese als ladbare Datei im Portable Document Format beilege (opelwerbung). Und wer bis dato noch nicht wusste, dass Opel auch schon mal in Brandenburg an der Havel Produktionsstätten besaß, der hat jetzt wieder was dazu gelernt. Ob das abgebildete Trinkgefäß, dass die Zeitläufe in meinem Regal überdauerte, damals als Saftbecher in der Kantine Dienst tat oder aus dem Werbemittelfundus stammt, kann ich nicht sagen. Aber ein Stück Zeitgeschichte ist es allemal.

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