So kennt man die Spieler des American Football: Martialisch angemalt, mit Helm und dicker Polsterung, schwer muskelbepackt, eben so richtig gefährliche Kerle. Aber eigentlich sind sie ganz nett. Ich hatte die große Freude, ein paar der Surburbian Foxes aus Radebeul vor die Nassplattenlinse zu bekommen. Hier sind die Ergebnisse der Session.

 

Der Fisch musste, bevor er der Pfanne überantwortet wurde, noch als Fotomodell herhalten. Da es der Brauch so will, soll jetzt eine seiner Karpfenschuppen auch noch für das nie versiegende Kleingeld in meiner nappaledernen Börse sorgen. Wofür die Tiere doch so alles herhalten müssen. Arme Kreaturen.

Zugegeben, ich bringe hier nur sporadisch Werke meiner fotografische Tätigkeit zur Ansicht, aber die Welt sieht jeden Tag so viele Bilder, da möchte ich mich in der Flut der visuellen Überreizung ein wenig zurückhalten. Hier zeige ich ein paar der Ergebnisse eines Fotosonntags, alle auf Nassplatte erstellt. Ganz ohne elektronische Hilfe kommen sie dann zwar nicht ins Netz, aber zumindest die Ablichtung erfolgte komplett analog. Falls das jemand wissen will …

Sofortbild ist ein relativer Begriff: Während die meisten damit den Polaroid-Prozess verbinden, bei dem man innerhalb von ca. drei Minuten das fertige Lichtbild in den Händen hält, ist die Produktionszeit beim Nassplattenverfahren schon eine etwas andere. Aber dafür geht es bei diesem beim rohen Material los, nix fix, nix mal eben schnell, immer schön der Reihe nach. Glasplatte beschichten, ab in die Kassette, belichten, entwickeln, abspülen, fixieren, Endwässerung, trocknen über dem offenen Feuer. Braucht seine Zeit, hat aber eben auch seinen ganz eigenen Reiz. Und wenn dann vor einem die fertige Platte mit dem Glanz des schieren Silbers liegt und das Motiv geradezu dreidimensional in das Auge des Rezipienten springt, dann hat das was. Und dann weiß man auch, wofür man sich mal einen schwarzen Finger holt.

christrose_2013

Wenn es nach den Leuten ginge, müsste das Schreiben mit Licht schneller als in Lichtschwindigkeit gehen. Dem stehen zwei Dinge entgegen: die Natur und der Mensch. Statt immer schneller, immer mehr und immer billiger zu fotografieren, will ich nun eher den umgekehrten Weg gehen, zurück zu den Anfängen mit handgemachten Lichtbildern. Deshalb habe ich zwei Seminare besucht, eines in Berlin bei Jan Eric Euler und eines in Wien bei Stefan Sappert, die mich in die Geheimnisse des Nassplattenverfahrens eingewiesen haben. Nix mit billig und nix mit fix. Es kostet seinen Preis und es braucht seine Zeit. Aber die Ergebnisse sind umwerfend, dreidimensional und wertig. Unikate außerdem. Man kann sich dran berauschen.

Wo kann man so etwas schon erleben: 20 Stunden mit der Eisenbahn? Gut, auch der Bundesbahn ist das zuzutrauen, bleibt bei europäischen Verhältnissen doch wohl eher die Ausnahme. Aber hier fährt man in offenen Abteilen, immer drei Schläfer übereinander, lange Zeit durch die Gegend, die nicht wirklich aufregend ist. Abwechslung bringt da das Servicepersonal, das mal mit kulinarischen Angeboten aus der Bordkantine wie Reisschleimsuppe oder Geflügelfüßen oder 1000jährigen Eiern vorbeikommt, mal mit hochphonigem Spielzeug oder der Offerte, doch einen mobilen DVD-Player für die Kleinkinoveranstaltung zu mieten. Ist jedenfalls immer Leben in der Bude bis um 22 Uhr Ortszeit, wenn schlagartig das Licht erlischt und so dem munteren Treiben ein urplötzliches Ende bereitet wird. Nachtruhe auf Befehl. Bei Sonnenaufgang dann hastige Betriebsamkeit beim Sturm auf die zwei Waschbecken je Wagon und die Heißwasserquelle zur Bereitung des Morgentees. Nach Ankunft am Zielbahnhof spute man sich beim Aussteigen, der Zug fährt zwar nicht nach Fahrplan, aber die kurzen Aufenthaltszeiten werden unerbittlich eingehalten. Auf der Strecke kann man die gewonnene Zeit dann wieder vertrödeln. Jedenfalls ist es ein Erlebnis, vor der Fahrt auf den Wudang Shan noch rasch eine Mahlzeit mit frisch vor den Augen der Hungrigen hergestellten Nudeln zu verputzen. So gestärkt geht es dann nach oben auf den heiligen Berg.

Das Leben in China ist sehr bewegend. Egal ob beim Tanzen, beim Taiji Quan, beim Karaoke-Singen oder Chorgesang, am Baum hängend oder Karten spielend, hier ist immer Bewegung angesagt. Und es scheint zu wirken: Die Gelenkigkeit, die manche der älteren Herrschaften präsentieren, lässt wahrscheinlich schon jeden Grundschüler erblassen. Das letzte Mal, dass unsereins über solche körperlichen Fähigkeiten verfügte, dürfte die Zeit im Mutterleib gewesen sein. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper scheint jedenfalls Gefallen zu finden. Da wird gejuchzt, geklatscht, gelacht, mit der Peitsche geknallt oder stillschweigend rückwärts gelaufen. Und der ganze große Park ist voll. Unter anderem auch mit Kampfkunstmeistern (m/w), die ganz unprätentiös mit der Zigarette im Mund ein paar Privatstunden geben. Sieht erst mal komisch aus, ist aber gut. Was die Leute drauf haben, ringt Hochachtung ab. Man sollte da öfter mal hin fahren.

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